Obwohl das Thema die Medien bereits wieder verlassen hat, sind die Probleme nicht gelöst: Der Anteil von Frauen in Führungspositionen der deutschen Wirtschaft ist nach wie vor sehr gering.
Frauenanteil stagniert seit Jahren
In den 200 größten deutschen Unternehmen liegt der Anteil von Frauen im Management gerade einmal bei 10,6%. Dabei lässt sich ein klarer Zusammenhang feststellen: Je höher die Position, desto geringer der Frauenanteil. In den Aufsichtsräten führender DAX- Unternehmen liegt der Anteil von Frauen mit 3,2% sogar noch deutlich darunter. Seit Jahren ist dieser Umstand bekannt, für Abhilfe sollte eine freiwillige Selbstverpflichtung der großen Arbeitgeberverbände sorgen. Zwar ist eine Chancengleichheit bei der Ausbildung erreicht worden, in Führungspositionen jedoch hat sich der Anteil der Frauen in der letzten Zeit nicht erhöhen können. Weniger schlecht sieht es im deutschen Mittelstand aus, auch die Frauen hier ebenfalls deutlich unterrepräsentiert sind. Obwohl mehr als die Hälfte aller Angestellten Frauen sind, beträgt ihr Anteil selbst in den unteren Managementebenen nur 39%. Selbst wenn Frauen die Führungsstufe erreicht haben, sind sie im Nachteil: Etwa 30% weniger Gehalt müssen im Vergleich zu den männlichen Kollegen akzeptiert werden. Eine Trendwende ist seit Jahren nicht zu erkennen, die Situation ändert sich für die Betroffenen nur sehr langsam. Dabei ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor das größte Hindernis für die Karriere. Eine Schwangerschaft hat sehr häufig ein Abrutschen auf der Karriereleiter zur Folge, das eine Frau im Laufe ihres Arbeitslebens gegenüber den männlichen Kollegen nicht wieder aufholen kann. Oft wird nur eine schlecht bezahlte Teilzeitstelle angenommen, die weit unter den eigenen Qualifikationen liegt.
Gesetzliche Quote vom Tisch
Um Unternehmen dazu zu zwingen, den Frauenteil besonders im Vorstand und in den Aufsichtsräten zu erhöhen, wird zeitweise die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote diskutiert. Derzeit sind die Überlegungen allerdings vom Tisch, denn besonders bei DAX-Unternehmen ist eine solche, nationale Regelung nicht unproblematisch. Die Vorstände sind häufig mit internationalem Personal besetzt, dass auf deutsche Regelungen nur schwierig Rücksicht nehmen könnte. Dazu kommt grundsätzlich ein juristischer Aspekt: Durch das Antidiskriminierungsgesetz darf kein Bewerber aufgrund Religion oder Geschlecht abgelehnt werden. Kommt es zum Gerichtsverfahren, weil ein Mann klagt, der offensichtlich wegen seines Geschlechtes eine Stelle nicht bekommen hat, könnte das den Arbeitgeber in Bedrängnis bringen. Der müsste die Kriterien für seine Stellenvergabe dann offenlegen. Längt ist gefordert, solche Bewerbungen geschlechtsneutral durchzuführen. Eine Frauenquote lässt sich so allerdings nur sehr schwerlich durchsetzen.
Freiwillige Selbstverpflichtung soll reichen
Weil sich die Situation aber zweifelsfrei ändern muss, kommt es zu einer neuen Selbstverpflichtung der Wirtschaft. Einige Unternehmen haben einen Frauenanteil von 25 – 35% in den Aufsichtsräten angekündigt – betrachtet man die aktuellen Zahlen, erscheint die Zielvorgabe recht utopisch. Doch dieses Mal könnte sich tatsächlich etwas ändern: Die Unternehmen stehen am Pranger und sind um ihren guten Ruf besorgt. Wird ein Konzern als frauenfeindlich wahrgenommen, könnte das zu einem negativen Image führen. In Zeiten von immer bewusster einkaufenden Kunden kann das ein deutlicher Nachteil sein – und endlich Wirkung zeigen.
IMG: Zsolt Nyulaszi – Fotolia
